Gewaltfreiheit braucht Raumgefühl

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Gewaltfreiheit braucht Raumgefühl

Erst wenn jede/jeder für sich steht und für sich sprechen kann –
erst dann gelingt ein entspanntes Miteinander!

Ein neues Miteinander braucht ein neues Fundament. Wir können nicht nur weglassen, was uns als ein alter Hut erscheint, sondern müssen auch gemeinsam neue Basics einüben. Zum Beispiel Raumgefühl. Und dieses Raumgefühl, diese Art Achtsamkeit, wie und wo unser persönlicher Raum gerade spürbar ist – da scheint mir gesellschaftlich noch sehr viel Luft nach oben zu sein.

Wenn uns das Raumgefühl abhanden kommt, dann geht uns auch respektvolles Sprechen und Handeln verloren. Es erschreckt mich immer wieder, daß wir als Gesellschaft zwar klar körperliche Gewalt ablehnen, aber verbale Gewalt (z.B abwertendes Sprechen über jemanden) tolerieren wir in vielen Familien und Arbeitsteams als selbstverständliche, normale „Meinungs“-äußerung. Oft werde ich dann als Beraterin um Hilfe gebeten, weil am Ende kein konstruktives Miteinander mehr möglich ist – und stelle fest, daß niemandem auffällt, wo die Ursache des destruktiven Miteinanders liegt.

Mir selbst geht Raumgefühl auch immer mal wieder verloren, denn ich komme aus einer Familie, in der Raumgefühl keine Kategorie war – übergriffig und unpersönlich zu sprechen, das Gegenüber anzugreifen oder abzuwerten war normal. Absolut normal –  so normal, daß keiner der Beteiligten Änderungsbedarf sieht. 
Es ist aber eine Grundregel in der Physik von Beziehungen, daß Kindern das angeborene Gefühl für ihren Raum verloren geht, wenn Eltern den persönlichen Raum und damit die Würde des Kindes immer wieder – absichtlich oder unwisstentlich – ignorieren oder verletzen. Und wir müssen leider feststellen, daß in den letzten Generationen (vielleicht auch Jahrhunderten) das Raumgefühl von Menschen systematisch unterdrückt wurde. 

Wenn wir also revolutionär neue Basics von Gewaltfreiheit einüben wollen, dann hilft es sehr mit Raumgefühl und persönlichen Grenzen zu arbeiten.  Dazu brauchen wir Bewusstheit, wie sich der ganz „persönliche Hoheitsraum“ konkret anfühlt, wo er anfängt und endet. Und wir brauchen neue Vokabeln einer persönlichen Sprache, um uns selbst auszudrücken und uns ernst zu nehmen anstatt andere anzuklagen, abzuwerten oder uns zu rechtfertigen.

Ich erlebe es so oft in Paarberatungen, daß beide ungeübt sind für sich selbst zu sprechen. Dann fangen die Sätze an mit „Aber es ist doch klar, daß… “ oder „Du kannst doch nicht einfach sagen, daß…“. Wir haben oft schnell ein genaues Bild davon, wie der andere sein soll und fühlen muss – und tun uns schwer damit, uns selbst zu zeigen und selbstbestimmt zu unseren Gefühlen zu stehen.
Alles gipfelt in dem Gefühl:  „Wenn Du nicht so stur, uneinsichtig, egoistisch… wärst, dann hätten wir keine Probleme.“

Ganz anders entwickeln sich die gleichen Konflikte in Beziehungen, in denen jeder Einzelne ein sicheres Gefühl für seinen Raum und sein Grenzen hat. Sehr schnell kann dann einer sagen: „Das will ich nicht“. Und anstatt sich davon abhängig zu machen, ob die andere einverstanden oder entrüstet ist, darf erstmal jede Reaktion auf der anderen Seite sein. Wenn also einer sagt: Ich brauche mehr Raum für mich und die Andere wütend wird und sagt, das kann ich schwer aushalten – dann haben beide noch kein Problem! Sie haben „nur“ unterschiedliche Perspektiven auf eine Situation und als eigenständige Menschen findet jede/jeder für sich einen Weg damit umzugehen. Sie erwarten nicht, daß der Andere sich ändert, sondern sorgen für sich selbst.

Basics für gesunde Beziehungen:
Abschied von einem diffusem Raumgefühl und sozialer Überverantwortung zu einer klaren Haltung, was meine und was Deine Verantwortung ist:

Aber das Problem tritt nicht nur im privaten Bereich auf. Auch pädagogische Beziehungen werden destruktiv, wenn Lehrer*innen z.B. Erwartungen an Schüler*innen haben oder Schüler*innen abwerten. Auch hier werden persönliche Grenzen verletzt und das pädagogische Handeln ist nicht mehr integer. Anstatt Selbstsorge zu übernehmen und mit der eigenen Unperfektheit zu arbeiten, liegt es angeblich an den Schüler*innen, inwieweit der Unterricht oder die Schulatmosphäre gelingt. Wenn Kita & Schule ohne Druck, Zwang und Kontrolle gelingen sollen, dann brauchen pädagogische Fachkräfte mehr Sicherheit, wie sie integer, also raum- und grenzklar agieren können. Wie Selbst-Verantwortung und Führung sich anfühlt, wenn nicht „das Kind“ schuld hat an der Situation und wenn nicht „die Anderen“ sich ändern müssen. Nur so können wir gemeinsam aus einem autoritären Macht- und Führungsverständnis aussteigen und neue Pädagogik auf Augenhöhe etablieren.

Damit wir dieses Beziehungs-Handwerkszeug lernen können, brauchen wir oft etwas Nachhilfe in den Fragen:

  • Wo ist mein persönlicher Raum? Wie bleibe ich mir selbst treu?
  • Wie spreche und handle ich für mich statt gegen den Anderen?
  • Was ist meine Verantwortung? Und für welche Gefühle bei Dir bin ich nicht verantwortlich und wie kann ich mich schützen?
  • Wo gehst Du über meine Grenzen und ich lasse es zu?
  • Wie fühlt sich wertschätzender Kontakt an, wenn jeder integer in seinem Raum bleibt?
Der pferdegestützte Workshop „Ich & Du, Räume & Grenzen“ ist eine praktische Möglichkeit mit diesen Fragen auf eine sehr individuelle Forschungsreise zu gehen und sein eigenes Raumgefühl und damit auch neue Antworten zu finden. Der Workshop vermittelt Basiswissen und Basiskompetenzen bezüglich Raum & Grenzen. Erst mit diesem Neuem kann es uns gelingen neue, gewaltfreie und konstruktive Beziehungskultur in Familie, Kita & Schule leben zu können.
 

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