Warum es sich ohne „Echtsein“ nicht gut leben lässt

Posted on  by Katrin Paul

Manchmal begegne ich Menschen, die so ein tiefes Unglück in sich tragen.
Es scheint keinen Weg zu geben, es zu wagen, die eigene Wahrheit, die eigene Authentizität, zu leben. Der Preis ist hoch, wir selbst verlieren täglich unsere Leichtigkeit, unsere Kinder leiden mit uns und entwickeln Symptome der Trauer und der Angst vor Verletzung.

Die wenigsten betroffenen Menschen wissen, dass dies passiert, wenn wir es nicht wagen authentisch zu sein. Denn Authentizität ist einer der vier existenziellen, evolutionären Werte, die wir zum Menschsein brauchen.

Gerade in vielen Einrichtungen, die sich um ein gutes Miteinander bemühen, herrscht statt Authentizität, die ja immer auch Konflikte produziert, eher eine Diktatur der Harmonie (wie es treffend mein Kollegin Nancy Franke in einer unserer pferdegestützten Teamfortbildungen diagnostizierte). Alle möchte nett sein, niemand soll verletzt werden, deshalb wird jeder kleinste Konflikt gemieden und dazu müssen wir uns unsere Authentizität verkneifen.

Die vier Werte, die Jesper Juul und Helle Jensen ihr ganzes Leben lang erforschten und bekannt machten, sind aber kein schönes Beiwerk oder nur bei guten Bedingungen anzuwenden. Deswegen nenne ich sie so gern existenziell. Und dazu auch noch evolutionär, denn wenn wir es wagen, die vier Werte Integrität, Selbstverantwortung, Authentizität und Gleichwürdigkeit wirklich zu leben, gerade wenn es unbequem und gefährlich für uns scheint, dann erst kommt Evolution in Gang, dann entwickelt sich unser Miteinander in die Lebendigkeit hinein und lässt uns gemeinsam wachsen.

Authentisch sein – auch Radikale Ehrlichkeit (radical honesty) – braucht noch eine Zusatzmittel, damit es heilsame Wirkung entfalten kann, die persönliche Sprache. Denn Echtheit, die nur aus übergriffiger Wut, Anklage und Verletzung besteht, führt in Beziehungen zu noch mehr Gewalt und Unglück. Authentisch sein braucht auch die Fähigkeit, über mich statt über den anderen zu reden, mich selbst offen und verletzlich zu zeigen statt den anderen mit Worten zu verletzen, mich selbst als unperfekt und unfertig zu offenbaren. Ich erlebe immer wieder, wie ungewohnt bishin zu verpönt persönliche Sprache in unserer Kultur ist und wieviel Übung es braucht.

Aber Übung in radikaler Ehrlichkeit plus persönlicher Sprache lohnt sich! Meine Beratungstätigkeit lässt mich deshalb auch auf Menschen treffen, die angestoßen durch große Krisen das vorher Unmögliche jetzt wagen – authentisch reden und handeln in der Partnerschaft nach Jahren des Nebeneinander-Funktionierens oder der gegenseitigen Vorwürfe. Und erleben, dass die Liebe in einer neuen, reifen, stillen und mächtigen Form genau dann Einzug hält, wenn wir darauf vertrauen, daß unsere Authentizität sein darf. Das wir genau so sein dürfen, wie wir uns jetzt gerade spüren und ausdrücken können.
Dies gilt nicht nur für Paare, auch in Arbeitsteams verschwinden durch Authentizität und persönliche Sprache alte Befindlichkeiten und plötzlich kann ich mein Gegenüber gut aushalten oder sogar wertschätzen, obwohl das vorher nicht möglich schien.

Im Kompass Neue Beziehungskultur findest Du die vier Werte Integrität, Selbstverantwortung, Authentizität und Gleichwürdigkeit kurz & anschaulich beschrieben. Er soll eine kleine Orientierung & Erinnerung für unser alltägliches Handeln in Familie, Kita und Schule (oder in jedem anderen Arbeitsteam) sein. Hier kannst Du ihn kostenlos herunterladen: Kompass Neue Beziehungskultur.

Das Projekt „Emapthie macht Schule“ bringt diese Ideen in drei Berliner Schulen und wird hoffentlich bald in vielen Einrichtungen das Wissen u.a. um Authentizität gesellschaftlich neu verankern.

Ohne Authentizität keine Lebendigkeit! Dieses Lied handelt meiner Meinung nach auch von einer melancholischen Hoffnungslosigkeit authentisch zu sein.

Wie finden wir den Mut authentisch zu sein? Was macht Euch Mut authentisch zu sein? Ich freue mich über Eure Ideen.

Wie Du mit Deinem Anliegen etwas bewirkst im Team

Ganz häufig in meiner Einzel- und Team-Supervisionsarbeit mache ich folgende Erfahrung: Vor mir sitzt eine freundliche, engagierte, professionelle pädagogische Fachkraft und sagt frustriert: „Ich habe das jetzt schon so oft im Team gesagt und es passiert nichts. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll.“

Und wenn ich mir das Anliegen erklären lasse, dann sind es oft sehr wertvolle Wahrnehmungen oder pädagogische Ziele, die dem Team oder Einrichtung eigentlich sehr nützen könnten.

Der Teufel steckt wie so oft im Detail, in 95% der Fälle ist es nicht Inhalt, der die anderen Teammitglieder abschreckt. Es ist die Form, wie wir unser Anliegen ins Team bringen und wie wir mit den Reaktionen der anderen umgehen. Eine häufige Falle ist, es das eigene Anliegen als Erwartung an die Anderen zu formulieren, das setzt unter Druck und dann verschliessen sich Menschen.

Mini-Anleitung Dein Anliegen ins Team zu bringen

Hier kommt eine kleine generelle Anleitung – sie funktioniert am besten, wenn Du Dir jetzt Zettel und Stift nimmst und zu jeder Frage ein bis drei Sätze aufschreibst. Mische die Fragen nicht – genau das kann schon dazu führen, dass Dein Anliegen verpufft!

  1. Was ist Deine Beobachtung, Deine Wahrnehmung?
    Hier darfst Du so subjektiv sein, wie Du willst und niemand muss Deine Wahrnehmung 100% teilen – denn jeder hat eine andere Wahrnehmung der Situation. Versuche wertfrei zu beschreiben, kein richtig, kein falsch, keine Wertung,
    z.B. „Hey Leute, ich habe den Eindruck wir kommen ganz oft vom Thema ab, verzetteln uns, machen immer noch ein Nebenthema auf. Mich strengt das total an und ich schalte dann ab.“
  2. Was ist der Sinn Deines Anliegens?
    Worum geht es Dir? Z.B. „Ich sage das jetzt hier, weil ich das Gefühl habe, das macht die Teamsitzungen so anstrengend und ich möchte gerne effektiver arbeiten. Ich will, dass wir zusammen entscheiden, in welche Richtung wir gehen und nicht dass wir so hin und her springen. Ich will die anderen Themen nicht wegreden, aber ich glaube es wäre leichter, die Aufgaben zu erledigen, wenn wir fokussierter sind.“
  3. Was wirst Du tun dafür?
    Schreibe Sätze auf, die mit „Ich will… oder Ich will nicht… “ anfangen – ja genau diese Form, die viele Menschen als unhöflich empfinden! Sie hat den Vorteil, dass Du nur so klar, konkret und persönlich sein kannst! Was tust Du genau dafür in Zukunft?
    „Ich will jetzt jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe, wir kommen vom Thema ab oder erweitern es erheblich, die Hand heben und einen kurzen Gruppencheck -max. 1 Minute – einfordern, ob wir abweichen oder uns fokussieren, so können wir gemeinsam und bewusst handeln. Ich würde mich freuen, wenn das alle anderen auch tun, denen es auffällt. „
  4. Nimm Feedback entgegen
    Verstehen Die anderen Dein Anliegen? Was haben sie gehört? Wo sind sie mit Dir einig, wo haben sie andere Ziele oder andere Lösungen? Wollen sie Deinen Wunsch erfüllen?
    „Ich möchte von Euch wissen, wie findet ihr meine Idee? Seid ihr einverstanden, wenn ich die ganze Gruppe stoppe, damit wir zusammen entscheiden, ob wir fokussieren oder uns einem anderen Thema zuwenden? Was sagt ihr dazu?“
  5. Gebe Bedenk- und/oder Experimentierzeit und sorge dafür, daß Du in der nächsten Teamsitzung darauf zurückkommst.
  6. Setze es auf die Tagesordnung der nächsten Teamsitzung.

So jetzt wird es spannend: Was passiert, wenn Ihr einen solchen Dialog (keine Diskussion! siehe auch mein Artikel „Dialog oder Diskussion?„) führt? Es ist sehr gesund, davon auszugehen, dass es nur sehr selten passiert, dass ein persönliches Anliegen 1:1 erfüllt wird! Es ist also unrealistisch, wenn Du hoffst, die anderen sagen einfach JA oder einfach NEIN zu Deinem Anliegen.

Wahrscheinlicher ist, dass sehr viele Facetten des Problems zu Tage kommen und andere Menschen andere Lösungsideen haben. Vielleicht sogar andere Ziele! Wichtig ist nicht, dass ihr sofort ein Lösung habt oder ein Ergebnis… aber sehr wichtig ist für Dich, dass Du weisst, ob die anderen

  1. Deine Wahrnehmung teilen oder zumindest anerkennen können
  2. Dein Ziel sinnvoll finden (oder andere Ziele verfolgen)
  3. Dein Handeln „absegnen“ oder ein Konflikt entsteht, der weiter bearbeitet werden muss.

Wenn Du auf diese Fragen eine Antwort hast, dann bist Du ein ganzes Stück weiter – herzlichen Glückwunsch. Du hattest Mut, Du hast Dich persönlich gezeigt, Du hast Deine Interessen vertreten, Du hast ausgehalten, dass die anderen sich nicht so verhalten, wie Du es vielleicht möchtest!

Vielleicht merkst Du, dass Du Dich bei solchen Teamprozessen von der Idee verabschieden musst, ihr könntet alles harmonisch und im Konsens entscheiden. Harmonie und Einigkeit sind keine Notwendigkeiten für ein starkes Team – aber die Fähigkeit aller Menschen im Team, bei jeglicher Meinungsverschiedenheit integer, selbst-verantwortlich, authentisch und gleichwürdig zu bleiben!

Wenn Du das Gefühl hast, das gelingt Euch nicht bei bestimmten Themen – dann ist es professionell Hilfe zu holen, damit ihr gemeinsam stärker werden könnt! Und so läuft der Prozess sich bei Stillstand Hilfe zu holen bis mein Anliegen eine Lösung gefunden hat:

Mit diesen Schritten kommst Du vom Stillstand zur Entwicklung:

  1. Reserviere Dir Teamzeit und sprich es direkt im Team an (siehe Anleitung unten)
  2. Gib Bedenkzeit und nimm das Thema noch mal auf bei der nächsten Teamsitzung
  3. Wenn Du das Gefühl hast, es passiert nichts, dann suche Dir in Deiner Einrichtung und hole Dir Rat bei einer vertrauten Person in Deiner Einrichtung. Wichtig, rede nicht über die anderen, sondern über Dich, was könntest Du tun, was könnte Dir helfen? Sonst ist es Klatsch oder noch schlimmer Allianzen schmieden – das sind Machtkämpfe und kein kollektives Wachstum!
  4. Wenn Du das Gefühl hast, es passiert auch dann noch nichts, dann buche Dir eine Einzelsupervision – nur so nimmst Du Dich und Dein Anliegen wirklich wichtig. Gute Einrichtungen zahlen Dir 50 – 100% der Kosten!
  5. Bringe das Thema ggf. erneut ins Team ein.
  6. Wenn Du das Gefühl hast, es passiert nichts, dann bestehe auf einer Teamsupervision, wo Du dieses Thema erneut ansprechen kannst und Du einen sicheren Rahmen hast.

    Ich bin mir sicher, wenn Du diese Schritte gegangen bist, dann hat sich schon etwas bewegt in Deinem Team! Dein Anliegen hat etwas in Bewegung gebracht, es hat sich wahrscheinlich etwas verändert im Laufe des Prozesses… und vielleicht oder gerade deswegen einen kleinen blinden Fleck in der Organisation beseitigt!

Schreibe mir gern in den Kommentaren, was Dich so ausbremst im Team und was passiert, wenn Du diese Schritte anwendest – ich bin gespannt!

Wegweiser für Neue Beziehungskultur

Leider entsteht Neue Beziehungskultur nicht allein und auch nicht nur aufgrund guter Absichten! Es braucht handfeste Bedingungen, damit Vertrauen wachsen kann: Das Verhalten von Menschen muss vier Werten folgen, damit Vertrauen entstehen kann. Aber Werte sind abstrakt und was meiner Erfahrung nach hilft sind praktische Orientierungen, wie sich das anfühlt, wenn wir auf der Basis von den vier Werten Integrität, Selbst-Verantwortung, Authentizität und Gleichwürdigkeit miteinander umgehen.

Für Teams und Organisationen ist es deshalb sinnvoll, sich häufig über die verbindenen Werte auszutauschen und sich auf wirklich verbindliche Handlungsgrundsätze zu einigen. Das sind keine einfachen Regeln, sondern eine Haltung, die versucht wird durch Dialog und Feedback zu leben. Der Kompass Neue Beziehungskultur hilft dabei.

Für Teams und Organisationen ist es deshalb sinnvoll, sich häufig über die verbindenen Werte auszutauschen und sich auf wirklich verbindliche Handlungsgrundsätze zu einigen. Das sind keine einfachen Regeln, sondern eine Haltung, die versucht wird durch Dialog und Feedback zu leben. Der Kompass Neue Beziehungskultur hilft dabei.

hier kannst Du ihn Dir kostenlos herunterladen:
https://mailchi.mp/cec687f32ca3/kompassneuebeziehungskultur

Neue Beziehungskultur braucht „nur“ 4 Kompetenzen!

In dem von mir entwickelten Kompass Neue Beziehungskultur stelle ich kurz & übersichtlich die vier wichtigen, unverzichtbaren Kompetenzen vor, die es braucht damit das Miteinander in Familie, Kita oder Schule (oder in anderen Gruppen) gelingt. Aufbauend auf dem Buch: „Vier Werte, die ein Leben lang tragen“ (Klassiker von Jesper Juul) übersetze ich die abstakten vier Werte Integrität, Selbst-Verantwortung, Authentizität und Gleichwürdigkeit in vier alltagspraktische Kompetenzen.

Ich will nicht sagen, dass es damit gleich „leicht“ wird… aber ein Kompass zeigt uns die Richtung – in diesem Fall hin zu Beziehungen, in denen alle wachsen. Und diese brauchen bestimmte Zutaten, dies ist neurologisch und psychologisch längst bekannt, nur im Alltag wenden es die wenigsten Menschen an.

Und weil es so wenig vertraut ist, nützt der Kompass gerade Familien, Gruppen und Arbeitsteams, um zu schauen, ob alle in die gleiche Richtung gehen wollen… und was es dann dazu braucht. Und er hilft festzustellen „An diesem Punkt sind wir uns uneinig.“ oder „Diesen Punkt schaffe ich nicht… da brauche ich Unterstützung“. Und dann kannst Du losgehen und Dir Unterstützung in Form von Beratung, Supervision oder Fortbildung organisieren. So geht Wachstum und Entwicklung…

Hier kannst Du Dir den Kompass Neue Beziehungskultur downloaden:
https://mailchi.mp/1e29e7b73f72/netzwerkneuebeziehungskultur

Homeschooling-Inspiration für Eltern und Fachkräfte

Hier folgt eine bunte Mischung aus hilfreichen Artikeln, die für Entspannung statt Druck in der Coronakrise sorgen. Denn auch mich erreichen Beratungsanfragen vieler Eltern, die unglücklich sind, wie das Homeschooling von Lehrkräften gestaltet wird. 

Ich persönlich stelle fest, dass so viel andere Dinge in Bewegung kommen in meiner Familie und sich daraus ganz neue außerschulische Lernfelder auftun: meine (schon recht grossen) Kinder lernen gerade kochen, das finde ich grossartig. Sie brauchen dabei Anleitung und Experimentierfreiheit… etwas, das bei uns während des normalen Schul- und Berufsalltags gar nicht möglich war! Ich möchte Pädagoginnen ermutigen, immer wieder direkt mit Schülern und Eltern abzuklären, was jede Familie braucht und was Druck auslöst oder Stress in die Familien bringt.

Hier mal eine Übersicht an Feedback von Eltern, was nicht beim Homeschooling hilft:

Zuviel Druck, z.B. dass Aufgaben benotet werden und SchülerInnen zu Hause Angst bekommen. Oder moralische Appelle an die Arbeitsmentalität und ob Kinder sich die Osterferien verdient haben oder nicht…

zuviel Stoff, Arbeitsblätter und sinnlose Beschäftigungsaufgaben, die die Motivation der Lernenden kaputt machen. Es entsteht das Gefühl, sinnlose Aufgaben zu machen, die weder Wissen noch Fähigkeiten verbessern. Ein Grossteil von Schülern und Eltern klagen über Unverhältnismäßigkeit der Aufgaben!

zu wenig Beziehung, z.B. ein Telefonat oder ein Online-Meeting, um gemeinsam eine Geographieaufgabe zu lösen und wirklich in Kontakt mit den SchülerInnen zu sein. 


Rückmeldung ermöglicht Lernprozesse –
Erwartungen, Vorwürfe und Beschuldigungen führen zu noch mehr Stress!

Liebe Eltern,

scheut Euch nicht, an jeden einzelnen Lehrer/einzelne Lehrerin Feedback zu geben! Achtet darauf, dass ihr nicht sagt, was die Lehrkraft besser machen könnte, beschreibt einfach nur, wie etwas bei euch ankommt und was bestimmte Aufgaben oder Aussagen bei euch in der Familie auslösen. Das ist eine reine Information für die Lehrkräfte, achtet darauf, dass ihr keine Vorwürfe oder Erwartungen vermittelt – was die Pädagoginnen mit dieser Information dann machen, ist die Verantwortung der Pädagoginnen! Wer sich in seiner Arbeit und Mühe nicht wertgeschätzt fühlt, wird Euch nicht zuhören. Wer das Gefühl hat, die Eltern wissen alles besser, wird Euch nicht zuhören. Aber wenn ihr es schafft, wertfrei zu beschreiben, was Euch als Familie hilft und was nicht – und dann die Verantwortung den Pädagoginnen überlasst – das könnte Veränderung bewirken.


Bitte teilt auch fleissig die ddif-Hotline für Familienberatung, damit sich alle kostenfrei Unterstützung in diesen herausfordernden Zeiten holen können:


Leider gilt ja schon ohne Corona Krise bei den meisten Familien sehr viel Druck in Bezug auf Schule:

Nun ist es schon so:



Kreativität statt Homeschooling – Lasst eure Kinder laufen!

Die Tage können anstrengend werden, wenn Familien aufeinander hocken. Und dann sollen die Eltern auch noch Lehrer sein. Der Neurobiologe Gerald Hüther rät zur Entspannung – und zur Beschäftigung mit Dingen, die in kaum einer Schule gelehrt werden.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/kreativitaet-statt-homeschooling-lasst-eure-kinder-laufen.1008.de.html?dram:article_id=473589


„Am Ende wird die psychische Gesundheit unserer Kinder wichtiger sein als ihre akademischen Fähigkeiten“ 
(Zitat aus dem Schreiben des französischen Bildungsministerium – siehe ganzen unten)

Brief einer deutschen Mutter (Quelle Facebook)

An das Schulministerium, an die Bildungsministerin Frau Karliczek, Bundesministerin für Familie Frau Giffey, an alle SchulleiterInnen, Lehrerinnen & Lehrer! 

Da scheint das französische Bildungsministerium unserem weit voraus zu sein. 

Ich bin Mutter von 2 schulpflichtigen Kindern (Grundschule, weiterführende Schule). Ich bin selbstständig und bange sehr um meine Existenz. Ich bin z.Zt. mit den Kindern alleine zu Hause und versuche den Schulaufgaben nachzukommen. 

Die zweite Woche „Quarantäne“ ist nun fast um und meine Kinder sind nun runter von der ersten Euphorie, die Freude über die Zwangsschulschliessung weicht nun der Realität und der Erkenntnis, dass das gar nicht so toll ist und dass das weit entfernt von Ferien ist. Denn sie spüren mittlerweile die Sorgen, Ängste. Die Kinder bekommen natürlich vieles mit. Sie beschäftigt das. 
Jetzt nach etwa 2 Wochen vermissen sie ihre Freunde, ihre Großeltern. Sie hören von Betroffenen. Sie sorgen sich, wenn ich raus muss. 
All die Emotionen muss und möchte ich jetzt begleiten und das braucht Zeit, Liebe und Ruhe. 
Ich bin selbst überlastet mit erweitertem Haushalt, mit Existenzsorgen, mit der ganzen Bürokratie…! 
Die Zeit, die ich dann noch habe widme ich gerne ganz meinen Kindern, ihren Ängsten und ihren Fragen. 
Wir lernen z.Zt. etwas über Viren, die Ausbreitung, über Epidemien und Pandemien. Wir belesen uns, wir kommunizieren. Warum trifft es gerade ältere Menschen, was sind Risikopatienten? 
Was gibt es da geschichtlich zu erfahren: die spanische Grippe 1918. 
Wir experimentieren gemeinsam zum Thema Hygiene. 
Aber vorallem reden wir über Zusammenhalt in solchen Krisen. 
Wir haben im Haus einen Zettel ausgehangen, bieten in der Not an, den hilfsbedürftigen Nachbarn etwas mit einzukaufen. 
Meine Kinder lernen etwas über die Wertschätzung der pflegerischen, sozialen Berufe. Sie sind erstaunt und empört, dass diese Berufsgruppen z.T. so schlecht bezahlt werden. 
Sie verstehen nicht, warum Frauen in so vielen Bereichen so viel leisten, aber schlechter bezahlt werden.

Kurzum: 
meine Kinder lernen momentan soooo viel Wichtiges, aber leider bleibt uns kaum Zeit Bruchrechnung, Wüstenformen ….etc zu vertiefen! 
Diese kompletten Aufgaben in allen Fächern, mal 2 Kinder, ist für mich nicht machbar! 
Aber, ständig bekomme ich emails mit Hinweisen, Verlinkungen zu Hausaufgaben-Plattformen…. und ja, das macht was mit mir: es macht MIR Druck abzuliefern, zu funktionieren. Es macht mir Sorge, mir stellt sich die Frage: wie wird das interpretiert, wenn am Ende der Krise, mein Kind nicht alle Mappen vollständig gefüllt hat, mit erledigten Hausaufgaben? 
Es wird gesagt, dass diese Aufgaben nicht in die Notenbeurteilung einfließt, aber in welcher Form wird es dann benötigt, beurteilt, verwertet? 

Ja, das macht Druck!!! 
Und, ich habe genug anderen Druck. 

Daher bitte ich alle Verantwortlichen des Schulsystems eine klare, deutliche Stellungnahme zu veröffentlichen, die uns Eltern den Druck nimmt (als Nicht-auf-Lehramt-Studierte-Eltern) den Lehrauftrag zu Hause dringend zu lockern! 
Oder die Aufgaben inhaltlich der momentanen Krise anzupassen, ohne Abliefernachweise. 

Meine nächste Frage: wie wird diese emotionale Zeit weiter im Unterricht verarbeitet/bearbeitet? Oder wird es nach der Krise ein Eiltempo im Nacharbeiten des verpassten Stoffs geben? Denn dann müsste ich mich auch jetzt schon darauf vorbereiten, dass es auch danach vermehrten Lerndruck geben wird!?

Auch könnte die Bundesregierung darüber nachdenken uns Müttern (betreuenden Eltern) ein GRUNDEINKOMMEN zu gewährleisten. 
Das würde mir schon viele Sorgen ersparen und ich könnte mich gezielter um die (schulische) Existenz meiner Kinder kümmern, weil dadurch meine Grundversorgung gesichert wäre.

Darf gerne geteilt und beklatscht 😜😂 werden!

Ich wünsche ALLEN weiterhin viel Kraft, Liebe & vorallem Gesundheit!!! ❤️🍀🌷☀️😷🌈

gesendet an: 
poststelle@msb.nrw.de
bmbf@bmbf.bund.de
info@spd-neukoelln.de

—————————————-
✉️ Schreiben des französischen Bildungsministeriums an alle Eltern :

Liebe Eltern mit schulpflichtigen Kindern

Möglicherweise neigen Sie dazu, einen minutengenauen Zeitplan für Ihre Kinder zu erstellen. Sie haben große Hoffnungen auf stundenlanges Lernen, einschließlich Online-Aktivitäten, wissenschaftlichen Experimenten und Buchberichten. Sie beschränken die Technologie, bis alles erledigt ist! Aber hier ist die Sache …

Unsere Kinder haben genauso viel Angst wie wir jetzt. Unsere Kinder können nicht nur alles hören, was um sie herum vor sich geht, sondern sie spüren auch unsere ständige Spannung und Angst. Sie haben so etwas noch nie erlebt. Obwohl die Idee, 4 Wochen lang nicht zur Schule zu gehen, großartig klingt, stellen sie sich wahrscheinlich eine lustige Zeit wie Sommerferien vor, nicht die Realität, zu Hause gefangen zu sein und ihre Freunde nicht zu sehen. 

In den nächsten Wochen werden die Verhaltensprobleme Ihrer Kinder zunehmen. Ob es Angst, Wut oder Protest ist, dass sie die Dinge nicht normal machen können – es wird passieren. Sie werden in den kommenden Wochen weitere Anfälle, Wutanfälle und oppositionelle Verhaltensweisen sehen. Dies ist normal und wird unter diesen Umständen erwartet.

Was Kinder jetzt brauchen, ist sich wohl und geliebt zu fühlen. Fühlen, dass alles gut wird. Und das könnte bedeuten, dass Sie Ihren Zeitplan auseinander reißen und Ihre Kinder ein bisschen mehr lieben müssen. Kekse backen und Bilder malen. Spielen Sie Brettspiele und schauen Sie sich Filme an. Machen Sie gemeinsam ein wissenschaftliches Experiment oder finden Sie virtuelle Ausflüge in den Zoo. Starten Sie ein Buch und lesen Sie gemeinsam als Familie. Kuscheln Sie sich unter warme Decken und tun Sie nichts.

Machen Sie sich keine Sorgen, dass sie in der Schule rückwärts gehen. Jedes Kind ist in diesem Boot und alles wird gut. Wenn wir wieder im Unterricht sind, werden wir alle den Kurs korrigieren und sie dort treffen, wo sie sind. Lehrer sind Fachexperten! Wähle keine Kämpfe mit deinen Kindern, weil sie nicht rechnen wollen. Schreien Sie Ihre Kinder nicht an, dem Programm nicht zu folgen. Setzen Sie keine 2 Stunden Lernzeit ein, wenn sie sich dagegen wehren.

Wenn ich Ihnen eines überlassen kann, dann ist es das Folgende: Am Ende wird die psychische Gesundheit unserer Kinder wichtiger sein als ihre akademischen Fähigkeiten. Und was sie in dieser Zeit fühlten, wird ihnen noch lange erhalten bleiben, nachdem die Erinnerung an das, was sie in diesen vier Wochen getan haben, längst verschwunden ist. Denken Sie jeden Tag daran.

Bleibt sicher.

(Gesehen bei Facebook)
Nachtrag: selbst wenn es nicht vom franz. Ministerium ist, wäre es dennoch zu schön….wenn sich die Regierungen in der Form äußern könnten. 
Vllt hätte jemand nen Quellen-Verweis!?


Reden hilft – Hotline für Familien

Ein kleines Hilfsangebot meines Ausbildungsinsituts, wo ich auch selbst mitmache, speziell auch für Familien. Sagt es bitte weiter…

Reden hilft!
Wir sind Familientherpeutinnen und -therapeuten und wir wollen jetzt dazu beitragen, dass Familien, Paare und Einzelpersonen in diesen Tagen übers Telefon Ansprechpartner*innen finden, weil reden hilft egal, was los ist. Wir haben die vierjährige Ausbildung am ddif (Deutsch-Dänisches Institut für Familientherapie und Beratung) absolviert oder absolvieren sie gerade.
Sie können uns anrufen, wenn die Luft brennt, aber auch, wenn Sie gerade einen Moment Ruhe haben und über Ihre Lage und die Situation in der Familien laut nachdenken möchten.

ddif Hotline – Reden hilft! 030 / 81 45 25 90
Reden Sie mit uns!
Anonym und wann Sie wollen
Wir sind von 6:00 Uhr morgens bis 12:00 nachts am Telefon.

Und unsere Bitte an alle: leiten Sie diese Nachricht an möglichst viele Menschen weiter, damit unsere ddif Hotline denen in die Hände fällt, die sich gerade gebrauchen können.
Alles Gute vom ddif Hotline Team – reden hilft!

Online- und Telefonberatung

Trotz Corona-Pandemie geht mein Beratungsangebot weiter!

Wie geht das Miteinander in Paaren und Familien zu Zeiten von Quarantäne? Hole Dir Rückenstärkung!

Wie kann es genügend Raum für jeden geben? Wie können wir unterschiedliche Bedürfnisse verhandeln? Wie können Eltern Kinder gleichwürdig behandeln ohne die Führung abzugeben? Wie geht liebevolle Führung, wenn die Kinder streiten? Wie können Erwachsene ihre Konflikte konstruktiv austragen? Bin ich jetzt Hilfslehrer und muss Schulaufgaben mit den Kindern machen? Wie gehe ich mit mit Existenzsorgen um? Wieviel Wahrheit braucht mein Kind über die Pandemie?

Terminanfragenper Email unter beziehungskompetent@mirabellenhof.de
Beratung online per Skype/Zoom oder per Telefon.
Kosten 70,00 Euro/Stunde.

Beratung per Telefon

Liebe Eltern, Liebe pädagogische Fachkräfte,

in Zeiten von Corona-Pandemie ist es sinnvoll zu Hause zu bleiben, dadurch den Verlauf der Pandemie zu verlangsamen und so möglichst allen Menschen, die medizinisch notwendige Hilfe zukommen zu lassen.

Dadurch entstehen für uns alle neue Herausforderungen!

Bei mir entfallen viele Familienberatungen und Teamsupervisionen. Ich biete daher als Ersatz telefonische Beratung oder Beratung per Skype an.

Termine vorrangig Mo, Di, Do und Fr 9 Uhr und auf Anfrage.

Büro Mirabellenhof
Frau Gallrein, Tel. 0152 / 284 769 60
Email beziehungskompetent@mirabellenhof.de

Kosten sind 70,00 Euro/Stunde für Eltern-/Einzelberatung und
80,00 Euro/Stunde für Supervision pädagogischer Fachkräfte.

 

Teambuilding zum Schulstart

Gemeinsam starten –
erfrischend & ermutigend

  • Ihr möchtet etwas gemeinsam im Team / teamübergreifend erleben?
  • Ihr sucht etwas, dass alle MitarbeiterInnen vereint?
  • Ihr wünscht Euch nachhaltig in die gemeinsame cokreative Arbeit zu kommen?
  • Ihr glaubt, dass ohne gute Beziehungsarbeit keine effektive inhaltliche Zusammenarbeit möglich ist?
  • Ihr habt keine Lust, gleich in der ersten Arbeitswoche nur Probleme und Herausforderungen zu wälzen?
  • Ihr wisst, dass die größte Gefahr in sozialen Berufen das Burn-Out ist und wollt gemeinsam ein Zeichen setzen und aktiv spüren, wie es anders gehen kann?

Wie – hier geht es lang
https://mirabellenhof.de/index.php/event/teambuilding-zum-schuljahres-start/

Gesetze der Selbstorganisation

  1. Selbstorganisation braucht den ganzen Menschen, ansonsten ist kollektive Intelligenz nicht möglich. Jeder Mensch braucht Schulungen, wie es sich anfühlt, als ganzer Mensch präsent zu sein. Jeder Mensch braucht Beziehungskompetenz über seine Muster, wann er präsent ist und wann abgeschnitten von seiner Ganzheit, praktische Kenntnis in welchem Zustand sich das eigene Nervensystem gerade befindet.
    Tipp: Authentisches Spiel ist eine leicht-sinnige Form seine Ganzheit zu erforschen
  2. Jeder Mensch muss Selbst-Verantwortung und Selbst-Führung lernen, da es keinen Chef gibt, der führt! Selbstverantwortung ist die uns gesellschaftlich am unvertrauteste Eigenschaft – wir alle sind zu überverantwortlichem Handeln erzogen worden (was will und braucht der andere, wie kommt das beim Anderen an, kann der Andere das Aushalten…)
    Selbstverantwortung bedeutet zu wissen, was ich will und welche Gefühle/Gedanken/Bedürfnisse in mir sind. Selbstverantwortung ist das Gegenteil von Schuld verteilen – auf andere (weil Du das gemacht hast, geht es mir nicht gut) oder auf sich selbst (ich müsste so viel mehr machen).
    Selbstverantwortung bedeutet in einem Team, zu seinem Bedürfnis zu stehen und für sich zu sorgen und nicht Strukturdebatten, Richtig/Falsch-Diskussionen, wer macht das? Es müsste aber das getan werden! Erläuterungen zu führen.
    Abbau äußerer Struktur braucht starke innere Struktur!

  3. Jeder braucht Schulungen, wie der Beratungsprozess sich anfühlt und Selbstreflexion der persönlichen Muster, die förderlich und hinderlich für den Beratungsprozess sind. Kann ich es aushalten, Entscheidungen zu treffen und dass sich andere beschweren, weil diese nicht perfekt waren? Traue ich mich, mich sichtbar zu machen, Selbst-Verantwortung zu übernehmen? Traue ich mich, wenn nicht alle gleichermaßen einverstanden sind, will ich es allen recht machen?
  4. Jeder trifft Entscheidungen im Beratungsprozess – das ist gelebte Selbstverantwortung.
    Einige Menschen treffen sehr viele Entscheidungen (nach dem Beratungsprozess), einige sehr wenige (aber jeder sollte einige im Jahr treffen). Wenn einer nie den Beratungsprozess initiiert, dann braucht er/sie Hilfe oder Ermutigung oder Selbstorganisation ist für diesen Menschen nicht die richtige Organisationsform.
  5. Eine selbstorganisierte Organisation muss Konflikte lieben! und aktiv gestalten, aus Konflikten entsteht Wachstum und Verbesserung. Ein Diktat der Harmonie, wie es in vielen sozialen Einrichtungen unbewusst heimliches Gesetz ist, macht Selbstorganisation unmöglich!
  6. Jeder Mensch braucht Schulungen und Weiterbildungen zu Feedback und Konfliktlöseprozessen, es braucht Beziehungskompetenz, das bedeutet, jeder muss über sich selbst wissen, was ihm persönlich an Konflikten Angst macht und wie er diese konstruktiv gestalten kann.
  7. Wenn zwei Menschen in einen Konflikt kommen, muss sofort jemand anders aus der Gruppe die Führung übernehmen, z.B. moderieren und den Konfliktlöseprozess anbahnen und bis zum Ende !  durchführen. Der Konfliktlöseprozess ist erst beendet, wenn eine Lösung gefunden wurde! Sofern keine Lösung gefunden wird, geht der Konflikt immer eine Stufe weiter bzw. bezieht der Moderator externe Mediatoren ein, wenn sich dann immer noch keine Lösung findet, ist eine Zusammenarbeit nicht mehr sinnvoll.

 

Gute Vorsätze für Bildungseinrichtungen

Welchen guten Vorsatz eine Einrichtung 2020 hat, bei der Beziehungsqualität im Konzept verankert ist? Ich schlage vor, mindestens einen Teamtag „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ für das Team im Schuljahr! Ein Teamtag, an dem es nicht über die unendlichen Dinge geht, die noch zu tun sind, sondern an dem es nur darum geht, WIE ihr als Team arbeitet und arbeiten wollt. Mit diesem Angebot möchte ich PädagogInnen entlasten und einladen, sich Zeit & Raum für das zu nehmen, was im Hintergrund einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität ihrer täglichen Arbeit hat.

https://beziehungskompetent.de/teamtag-miteinander/

Konflikte im Team – Wann ist Zusammenarbeit nicht mehr sinnvoll?

In meiner Arbeit mit engagierten Kita- und Schulteams hat sich immer wieder herausgestellt, dass jenseits aller persönlichen Ab- und Zuneigungen es ein paar ganz grosse Stolpersteine gibt, die zu hohem Energieverlust, ständige Reibereien, ungelösten Konflikten und mangelnder Effizienz im Team führen.

Im pädagogischen Alltag hat die Erfahrung gezeigt, dass Pädagogen auf drei Ebenen Kompetenzen mitbringen müssen, damit ihnen ihr Beruf gelingt:

    1. fachliche Kompetenz (Wissen, Vermittlungswissen)
    2. eine bewusste pädagogische Haltung (will ich Erziehung oder Beziehung?, müssen Kinder zum Lernen gezwungen werden oder lernen sie intrinsisch?, brauchen Kinder Führung oder Selbstbestimmung?, braucht es Lob/Strafe oder Anerkennung? usw.)
    3. Beziehungskompetenz
      da Arbeit im Team und Lernen immer in zwischenmenschlichen Beziehungen stattfindet, entscheidet diese Kompetenz darüber, ob ich diese Beziehungen bewusst gestalten kann

Leider scheint es im Alltag oft so zu sein, dass eine rein fachliche Kompetenz der PädagogInnen ausreichend scheint. Nur dies ist Einstellungsvoraussetzung seitens des Schulamtes. Bis vor kurzem schien die pädagogische Haltung Privatsache zu sein und die Beziehungskompetenz ein Talent, dass einem zufällig gegeben wurde oder nicht.

Diese Einschätzung ändert sich langsam. Und ich kann allen pädagogischen Einrichtungen nur empfehlen, bei Einstellungsgesprächen auf alle drei Ebenen der Fachlichkeit gleichermaßen zu achten.

Es gibt Teams, in denen pragmatisch nebeneinanderher gearbeitet wird, aber eine echte Teamarbeit, in der Menschen cokreativ Neues entstehen lassen können und sich selbst in Wachstumsprozesse begeben – das ist nur möglich, wenn im Team die Menschen auf allen drei Ebenen der Fachlichkeit zusammenpassen.

Cokreativität & Selbstorganisation braucht ein Passung im Team auf allen 3 Ebenen der Fachlichkeit.

Damit müssen wir anerkennen, dass es bei jedem Einzelnen bestimmter persönlicher Voraussetzungen bedarf, damit aus einem Gegeneinander ein Miteinander im Team und mit den Kindern wird.

Niemand ist perfekt und auch ErzieherInnen und LehrerInnen sind nur Menschen, dennoch braucht es im pädagogischen Alltag berufliche Kompetenzen, die unabdingbar sind. Genau wie Arzt über medizinisches Wissen verfügen MUSS und dies nicht eine Frage des persönlichen Geschmacks sein darf.

Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht

Gilt diese Weisheit auch für moderne Teams? Dürfen Teams sich abgrenzen, klar sein und sagen: „Du bist ein wunderbarer Mensch, vielleicht sogar fachlich sehr kompetent, aber zur Zeit hast Du diese und diese Beziehungs-Kompetenz nicht und deshalb können und wollen wir nicht mir Dir zusammenarbeiten.“? Meine Standpunkt dazu ist JA. Dies braucht eine Einrichtung um klar zu sein und sinnorientiert zusammenarbeiten zu können.

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Unter der pädagogischer Haltung (Beziehung statt Erziehung) verstehe ich:

  • Die für die Organisation gültigen Werte. Nach meiner Empfehlung wären es  die vier Werte nach Jesper Juul: Integrität, Selbstverantwortung, Authentizität und Gleichwürdigkeit, diese Werte müssen wichtiger im Alltagshandeln sein als gutes Benehmen, Harmonie, Nettigkeit,  Ansehen, Strategie u.v.m.
  • Der Glaube, dass es persönliche Grenzen gibt und diese sinnvoll sind
  • Die Einstellung, das Kinder Führung auf Augenhöhe von Erwachsenen mit persönlichen Grenzen brauchen statt grenzenloser Freiheit
  • Die Einstellung, das ich als Erzieher/Lehrer auch nur Lernender bin, besonders in Bezug auf Selbstverantwortung und den Umgang mit meinen persönlichen Grenzen

 

Unter fachpersönlichen Beziehungskompetenzen verstehe ich:

  • Umgang mit Überforderung
    die Fähigkeit zu erkennen, wann ich überfordert bin = existenziell ängstlich/hilflos werde und innerlich aussteige und die Fähigkeit dazu wenigstens eine Meldung im Team zu machen/Rückmeldung von anderen dazu anzunehmen (denn Angst ist kein guter Handlungsgrund in einer Vertrauenskultur, aber das Reden über meine Angst kann ein
    wunderbarer Motor für Begegnung, Prozesse und Veränderungen sein)
  • Umgang mit Konflikten
    • Die Einstellung, das Konflikte zwar Angst machen, aber das ich meinen Mut zusammennehmen kann und aktiv in Konfliktlöseprozesse gehen kann. Dazu braucht es
      • die Fähigkeit jedes einzelnen, Verhalten und Person innerlich zu trennen und sein Verhalten verhandelbar zu machen.
      • den Mut, persönlich und konkret meine Perspektive zu schildern, Aussagen über mich zu machen und auch noch neugierig zu sein auf die Perspektive des Anderen (nicht entrüstet und empört, wie der andere so sein kann).
    • Es braucht unbedingte Ergebnisoffenheit für einen Dialog, keine Vorwegnahme der Lösung/Entscheidung.
      Bewertung und Interpretation von meiner Wahrnehmung zu trennen und zu mir zunehmen
      • den Mut, sich vom Richtig/Falsch-Denken und Moral zu lösen und nach innerer Stimmigkeit (Authentizität) zu suchen und diese auszudrücken – was immer für ein Gefühl/Gedanke da ist, ist subjektiv richtig und darf ausgesprochen werden! Dies bringt emotionale Wahrheit und Transparenz in Gruppen, es darf auch das Unmögliche (über mich selbst! – in persönlicher Sprache ) gesagt werden.
      Abschied vom Nett-Sein, sondern Liebe zu den vier Werten Jepser Juuls (Integrität, Selbstverantwortung, Authentizität und Gleichwürdigkeit)
      und die Erfahrung, dass diese Werte die Basis eines tiefen Miteinanders sind und Menschen zueinander, nicht auseinander bringen
      • den Mut, dass ich nicht von allen gemocht werden werden muss
      • den Mut, Fehler zu machen und dazu hinterher zu stehen
      • den Mut, sich nicht zu verbiegen, auch wenn man die/der Einzige ist, der…
      Präsenz in der Gruppe zeigen
      Den Mut, unbedingt präsent zu sein, Resonanz/Anerkennung zu geben und den Raum zu halten, was auch immer in der Gruppe passiert (jeder, der sich innerlich verabschiedet geht aus seiner persönlichen Verantwortung und wird Mit-Täter durch Nichts-Tun) – wenn dies nicht möglich ist, dann hat jeder einzelne die persönliche Verantwortung zu melden, dass er überfordert ist und Hilfe braucht
      Erfahrung mit Vertrauenskultur
      Vertrauenskultur braucht ein Mindestmaß an positiven Grunderfahrungen in andere Menschen / in persönliche Prozesse und Gruppenprozesse. Wer das nicht mitbringt, ist im Opfer/Tätermodus gefangen. Dann braucht es das Wissen/die Empathie der Anderen, dass zu grosse existenzielle Angst vor Ablehnung/Vernichtung in Beziehungen einen echten Kontakt, Begegnung und Dialog verhindert. Für diese Menschen muss zuerst emotionale Sicherheit hergestellt werden bevor eine Zusammenarbeit mit Dialog und offenen Konflikten überhaupt möglich ist.

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Es gibt Menschen, die diese Punkte nicht unterschreiben würden oder zwar unterschreiben, aber durch ihre tatsächlichen Handlungen alltäglich konterkarieren. Wir brauchen alle diese Fähigkeiten nicht perfekt zu können – aber wir brauchen die Einstellung, dass ich genau das lernen will – nicht theoretisch, sondern genau beim nächsten Konflikt. Ohne diesen Wunsch, mich dahin zu entwickeln hat Zusammenarbeit in einem Team keinen echten Sinn.

Ich kenne viele Menschen, die aus nachvollziehbaren Gründen zur Zeit nicht in der Lage sind, Konflikte aktiv anzugehen oder wahrzunehmen, wann ihr Nervensystem in den Panikmodus kommt. Oder das Menschenbild der handelnden Personen weicht zu weit voneinander ab und dieser tieferliegende Konflikt wird nicht transparent geklärt. Damit sind jenseits von Sympathie, Antipathie und persönlichem Stil berufliche Probleme in der Teamarbeit und in der Arbeit mit Menschen vorprogrammiert.

Wenn es uns nicht gelingt, diese Menschen einzuladen, sich auf den Weg zu machen diese Kompetenzen & Werte erwerben zu wollen (und das reicht schon), dann ist es fair und besser für alle Beteiligten nach dem Versuch darüber ausreichend in Dialog zu gehen, zu sagen: Eine Zusammenarbeit ist unter den gegebenen Bedingungen nicht sinnvoll und wir trennen uns im Guten.

 

Beziehungskompetenz mit Deinem Hund lernen

Letztes Jahr bin ich noch extra bis nach Hessen gefahren, um an einem solchen ungewöhnlichem Hundeseminar teilzunehmen… jetzt präsentiere ich stolz das erste MENSCH WIE HUND Seminar (inspiriert durch Maja Nowak) in Biesenthal, nur 35 km nördlich von Berlin!

„Wie findest Du zurück zu Deinen Potenzialen und damit zu Deiner Echtheit? Und wie kann Dein Hund Dich dabei unterstützen und Du daraufhin auch Deinen Hund? …. Eine respektvolle Beziehung und Kommunikation auf Augenhöhe sind das Ziel dieser Seminare. Ein Beziehungsfundament, auf dem eine wertschätzende und achtsame Verbindung wachsen kann. “
Simona Cappai, Verbund der Unabhängigen Wegbereiter Mensch wie Hund im Team von Maja Nowak

Hier kannst Du Videos von Maja Nowak und ihrem Ansatz sehen: www.youtube.com/user/DogInstitutBerlin/

Mehr Information & Anmeldung hierlang

Weitersagen und Interesse bekunden: www.facebook.com/events/535261710662279

Rückmeldekultur statt Beschwerdemanagement

Eltern-Team-Themenabend

„Rückmeldekultur statt Beschwerdemanagement“

Wenn für uns im Alltag der Schule die vier Werte für das Miteinander (von Jesper Juul und Helle Jensen) handlungsleitend sind, dann erscheint uns ein „Beschwerdemanagement“ nicht mehr der richtige Weg auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren.

Aber wie kann es dann gelingen, dass SchülerInnen, PädagogInnen und Eltern gut im Kontakt und Austausch sind? Wie können wir unsere verschiedenen Ansichten und Bewertungen miteinander thematisieren ohne eine hierarchische Instanz, die das „von oben“ regelt oder maßregelt? An wen wenden sich Eltern, wenn sie Not haben und die MentorIn des Kindes nicht als die geeignete AnsprechpartnerIn erscheint? Wie kann die Organisation sicher stellen, dass Rückmeldungen nicht folgenlos sind oder im Sande verlaufen? Und welche Kompetenzen brauchen PädagogInnen und Eltern, um den Mut zu authentischen Rückmeldungen aufzubringen?

Ein Eltern-Team-Themenabend für engagierte Kitas & Schulen, die gemeinsam auf Augenhöhe arbeiten wollen. Termine Di und Do Abends nach Absprache buchbar bei Katrin Paul unter buero@mirabellenhof.de.