Nie wieder streiten – Die Kunst des Dialogs

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Nie wieder streiten – Die Kunst des Dialogs

Ein Relikt aus der Zeit vor dem gesellschaftlichen Paradigmenwechsel von einer autoritären zu einer kooperativen Wir-Kultur ist, daß die wenigsten Menschen wissen, was ein Dialog auf Augenhöhe ist. Zu selten haben wir es in unserer Kindheit erlebt.

In meinen Paarberatungen erlebe ich oft, daß Menschen, die sich eigentlich lieben, gar nicht wissen, dass es den Dialog gibt und wie er funktioniert. Stattdessen praktizieren sie unbewusst eine oder mehrere der unten aufgeführten Formen des destruktiven Streitens und erleben eine schleichende Vergiftung ihrer Beziehung.

Ein Dialog ist eben 

  • keine Belehrung
  • keine Diskussion
  • kein Monolog der anderen Seite
  • keine Diskussion, kein Schlagabtausch
  • kein Kampf um richtig und falsch
  • keine Abwertung oder Überhöhung der anderen Seite

Ein Dialog braucht zwei Voraussetzungen in unserer Weltsicht: Erstens müssen wir glauben können, daß jede/jeder seine/ihre eigene Perspektive hat und damit Abschied nehmen, daß es die eine richtige Ansicht gibt. Zweitens brauchen wir den Glauben und das Wissen (hier hilft das Buch „Im Grunde gut“ oder der gleichnamige Podcast), daß jede/jeder am Ende eigentlich kooperieren will, also hinter jedem schädlichen Verhalten der Versuch von Zugehörigkeit oder der Schutz vor Schmerz steht.

Mit dieser Grundausrüstung können wir uns daran wagen, eine neue Haltung zu üben: Über uns zu sprechen, statt über den Anderen. Ich denke also: „Du Arsch, warum tust Du das?“ und dann übe ich mich darin, eine Aussage über mich zu treffen: „Mich irritiert Dein Verhalten. Ich will es anders haben.“ Leider gehen alle gesellschaftlichen Gewohnheiten genau dagegen, daher ist es so, als müsste man sein eigenes Gehirn umprogrammieren und umerziehen – dazu braucht es am Anfang Kraft und Achsamkeit. Am Ende kann es irgendwann selbstverständlich und leicht werden.

Dieser kleine Trick am anderen Ende der beiden Personen zu agieren ermöglicht ein grosses Wunder: Plötzlich darf ich fast alles wollen und das Gegenüber fühlt sich nicht falsch! Die Ohren gehen nicht zu, sondern können hören, was ich sage. Das WIE eröffnet einen Weg, meine Wünsche und Deine Wünsche fair zu verhandeln, anstatt in einem Richtig-Falsch-Machtkampf zu enden.

Dann braucht es keine Paartherapie mehr, sondern ein Paar gerät durch jeden gelingenden Dialog in eine Wachstumsspirale aufwärts – noch ein Wunder! Klingt einfach, ist es aber nicht, solange wir so ungeübt und unsicher sind, wie Dialog geht. 

Ein heilsamer Dialog auf Augenhöhe braucht keine Diagnosen, keine Behandlungskonzepte und kein Lehrplan!

Und wenn wir weiter denken, dann wundert es mich nicht, daß viele Menschen jahrelang in Therapie sind und sich dennoch nur wenig geheilt fühlen. Denn wenn der Therapeut/die Therapeutin nicht den heilsamen Dialog auf Augenhöhe wagt, dann werde ich „nur“ behandelt nach den aktuellen Methoden. Wir wissen heute, daß eine Methode allein aber noch nicht den dringend notwendigen Kontakt von Mensch zu Mensch gewährleistet. Wir wissen heute, daß jede Methode nur so gut wie der Anwender ist, anders gesagt, die Methode ist nicht das Wesentliche! Das Wesentliche für das Ganzwerden des Menschen, für das Bewusstwerden, das sich selbst annehmen können und Selbstwert entwickeln ist der authentische Kontakt mit einem anderen Menschen, der mich mit der Tiefe seines Herzes sieht und anerkennt.

Und wenn die Kraft des Dialogs sogar in der Therapie das Stärkste ist, was wir kennen, wie sehr könnte der Dialog zwischen Lehrkräften und Schüler und Schülerinnen das ganze Schulsystem verändern? Dann würden wir den Dialog und die Beziehung als wichtigstes Fundament für gelingende Lernprozesse sehen – und nicht den Lehrplan nach ganz oben setzen!

Welches Handwerkszeug brauchen wir also für die Kunst des Dialogs?

Das über sich selbst reden, statt über den Anderen – das ist ein hilfreiches Konzept, um dem Dialog eine Chance zu geben. Das ich beim Reden in meinem Raum bleibe (also integer bin), Dich nicht bewerte oder abwerte oder manipuliere. Daß ich mich verletzlich zeige, wie ich bin, statt meine Sicht logisch/philosophisch oder religiös zu rechtfertigen: „Ich mag es einfach so.“ Punkt. Keine Rechtfertigung!

Abschied nehmen von der Idee des Gewinnens und Verlierens ist ebenso hilfreich. Wir suchen Lösungen, keine Gewinner und Verlierer. Was ist mein Beitrag zur Lösung, was ist Dein Beitrag zur Lösung? Was kann oder will ich Dir nicht geben?

Einigkeit oder Unterschiedlichkeit?

Dialog lernen ist moderne Friedensarbeit

Hass und Hetze sind das enthemmte Gegenteil vom Dialog. Wir ziehen über die Anderen her, wie bescheuert die sind, wie blöd, wie unwert ihre Ansichten sind. Hass und Hetze trennen Menschen, der Dialog eint Menschen. Nur der Dialog schafft Verbundenheit.

Die Kunst des Dialogs ermöglicht es uns, Unterschiedlichkeit respektvoll zu leben. Sie macht das Miteinander sehr verschiedener Menschen harmonisch, ohne daß sich jemand zurücknehmen oder anpassen muss. Das fängt in unserer Beziehung an, bei unseren Kindern, im Arbeitsteam! Leider müssen wir den Dialog üben, da er uns nicht vertraut ist – also lasst uns üben, üben, üben! 

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