Homeschooling-Inspiration für Eltern und Fachkräfte

Hier folgt eine bunte Mischung aus hilfreichen Artikeln, die für Entspannung statt Druck in der Coronakrise sorgen. Denn auch mich erreichen Beratungsanfragen vieler Eltern, die unglücklich sind, wie das Homeschooling von Lehrkräften gestaltet wird. 

Ich persönlich stelle fest, dass so viel andere Dinge in Bewegung kommen in meiner Familie und sich daraus ganz neue außerschulische Lernfelder auftun: meine (schon recht grossen) Kinder lernen gerade kochen, das finde ich grossartig. Sie brauchen dabei Anleitung und Experimentierfreiheit… etwas, das bei uns während des normalen Schul- und Berufsalltags gar nicht möglich war! Ich möchte Pädagoginnen ermutigen, immer wieder direkt mit Schülern und Eltern abzuklären, was jede Familie braucht und was Druck auslöst oder Stress in die Familien bringt.

Hier mal eine Übersicht an Feedback von Eltern, was nicht beim Homeschooling hilft:

Zuviel Druck, z.B. dass Aufgaben benotet werden und SchülerInnen zu Hause Angst bekommen. Oder moralische Appelle an die Arbeitsmentalität und ob Kinder sich die Osterferien verdient haben oder nicht…

zuviel Stoff, Arbeitsblätter und sinnlose Beschäftigungsaufgaben, die die Motivation der Lernenden kaputt machen. Es entsteht das Gefühl, sinnlose Aufgaben zu machen, die weder Wissen noch Fähigkeiten verbessern. Ein Grossteil von Schülern und Eltern klagen über Unverhältnismäßigkeit der Aufgaben!

zu wenig Beziehung, z.B. ein Telefonat oder ein Online-Meeting, um gemeinsam eine Geographieaufgabe zu lösen und wirklich in Kontakt mit den SchülerInnen zu sein. 


Rückmeldung ermöglicht Lernprozesse –
Erwartungen, Vorwürfe und Beschuldigungen führen zu noch mehr Stress!

Liebe Eltern,

scheut Euch nicht, an jeden einzelnen Lehrer/einzelne Lehrerin Feedback zu geben! Achtet darauf, dass ihr nicht sagt, was die Lehrkraft besser machen könnte, beschreibt einfach nur, wie etwas bei euch ankommt und was bestimmte Aufgaben oder Aussagen bei euch in der Familie auslösen. Das ist eine reine Information für die Lehrkräfte, achtet darauf, dass ihr keine Vorwürfe oder Erwartungen vermittelt – was die Pädagoginnen mit dieser Information dann machen, ist die Verantwortung der Pädagoginnen! Wer sich in seiner Arbeit und Mühe nicht wertgeschätzt fühlt, wird Euch nicht zuhören. Wer das Gefühl hat, die Eltern wissen alles besser, wird Euch nicht zuhören. Aber wenn ihr es schafft, wertfrei zu beschreiben, was Euch als Familie hilft und was nicht – und dann die Verantwortung den Pädagoginnen überlasst – das könnte Veränderung bewirken.


Bitte teilt auch fleissig die ddif-Hotline für Familienberatung, damit sich alle kostenfrei Unterstützung in diesen herausfordernden Zeiten holen können:


Leider gilt ja schon ohne Corona Krise bei den meisten Familien sehr viel Druck in Bezug auf Schule:

Nun ist es schon so:



Kreativität statt Homeschooling – Lasst eure Kinder laufen!

Die Tage können anstrengend werden, wenn Familien aufeinander hocken. Und dann sollen die Eltern auch noch Lehrer sein. Der Neurobiologe Gerald Hüther rät zur Entspannung – und zur Beschäftigung mit Dingen, die in kaum einer Schule gelehrt werden.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/kreativitaet-statt-homeschooling-lasst-eure-kinder-laufen.1008.de.html?dram:article_id=473589


„Am Ende wird die psychische Gesundheit unserer Kinder wichtiger sein als ihre akademischen Fähigkeiten“ 
(Zitat aus dem Schreiben des französischen Bildungsministerium – siehe ganzen unten)

Brief einer deutschen Mutter (Quelle Facebook)

An das Schulministerium, an die Bildungsministerin Frau Karliczek, Bundesministerin für Familie Frau Giffey, an alle SchulleiterInnen, Lehrerinnen & Lehrer! 

Da scheint das französische Bildungsministerium unserem weit voraus zu sein. 

Ich bin Mutter von 2 schulpflichtigen Kindern (Grundschule, weiterführende Schule). Ich bin selbstständig und bange sehr um meine Existenz. Ich bin z.Zt. mit den Kindern alleine zu Hause und versuche den Schulaufgaben nachzukommen. 

Die zweite Woche „Quarantäne“ ist nun fast um und meine Kinder sind nun runter von der ersten Euphorie, die Freude über die Zwangsschulschliessung weicht nun der Realität und der Erkenntnis, dass das gar nicht so toll ist und dass das weit entfernt von Ferien ist. Denn sie spüren mittlerweile die Sorgen, Ängste. Die Kinder bekommen natürlich vieles mit. Sie beschäftigt das. 
Jetzt nach etwa 2 Wochen vermissen sie ihre Freunde, ihre Großeltern. Sie hören von Betroffenen. Sie sorgen sich, wenn ich raus muss. 
All die Emotionen muss und möchte ich jetzt begleiten und das braucht Zeit, Liebe und Ruhe. 
Ich bin selbst überlastet mit erweitertem Haushalt, mit Existenzsorgen, mit der ganzen Bürokratie…! 
Die Zeit, die ich dann noch habe widme ich gerne ganz meinen Kindern, ihren Ängsten und ihren Fragen. 
Wir lernen z.Zt. etwas über Viren, die Ausbreitung, über Epidemien und Pandemien. Wir belesen uns, wir kommunizieren. Warum trifft es gerade ältere Menschen, was sind Risikopatienten? 
Was gibt es da geschichtlich zu erfahren: die spanische Grippe 1918. 
Wir experimentieren gemeinsam zum Thema Hygiene. 
Aber vorallem reden wir über Zusammenhalt in solchen Krisen. 
Wir haben im Haus einen Zettel ausgehangen, bieten in der Not an, den hilfsbedürftigen Nachbarn etwas mit einzukaufen. 
Meine Kinder lernen etwas über die Wertschätzung der pflegerischen, sozialen Berufe. Sie sind erstaunt und empört, dass diese Berufsgruppen z.T. so schlecht bezahlt werden. 
Sie verstehen nicht, warum Frauen in so vielen Bereichen so viel leisten, aber schlechter bezahlt werden.

Kurzum: 
meine Kinder lernen momentan soooo viel Wichtiges, aber leider bleibt uns kaum Zeit Bruchrechnung, Wüstenformen ….etc zu vertiefen! 
Diese kompletten Aufgaben in allen Fächern, mal 2 Kinder, ist für mich nicht machbar! 
Aber, ständig bekomme ich emails mit Hinweisen, Verlinkungen zu Hausaufgaben-Plattformen…. und ja, das macht was mit mir: es macht MIR Druck abzuliefern, zu funktionieren. Es macht mir Sorge, mir stellt sich die Frage: wie wird das interpretiert, wenn am Ende der Krise, mein Kind nicht alle Mappen vollständig gefüllt hat, mit erledigten Hausaufgaben? 
Es wird gesagt, dass diese Aufgaben nicht in die Notenbeurteilung einfließt, aber in welcher Form wird es dann benötigt, beurteilt, verwertet? 

Ja, das macht Druck!!! 
Und, ich habe genug anderen Druck. 

Daher bitte ich alle Verantwortlichen des Schulsystems eine klare, deutliche Stellungnahme zu veröffentlichen, die uns Eltern den Druck nimmt (als Nicht-auf-Lehramt-Studierte-Eltern) den Lehrauftrag zu Hause dringend zu lockern! 
Oder die Aufgaben inhaltlich der momentanen Krise anzupassen, ohne Abliefernachweise. 

Meine nächste Frage: wie wird diese emotionale Zeit weiter im Unterricht verarbeitet/bearbeitet? Oder wird es nach der Krise ein Eiltempo im Nacharbeiten des verpassten Stoffs geben? Denn dann müsste ich mich auch jetzt schon darauf vorbereiten, dass es auch danach vermehrten Lerndruck geben wird!?

Auch könnte die Bundesregierung darüber nachdenken uns Müttern (betreuenden Eltern) ein GRUNDEINKOMMEN zu gewährleisten. 
Das würde mir schon viele Sorgen ersparen und ich könnte mich gezielter um die (schulische) Existenz meiner Kinder kümmern, weil dadurch meine Grundversorgung gesichert wäre.

Darf gerne geteilt und beklatscht 😜😂 werden!

Ich wünsche ALLEN weiterhin viel Kraft, Liebe & vorallem Gesundheit!!! ❤️🍀🌷☀️😷🌈

gesendet an: 
poststelle@msb.nrw.de
bmbf@bmbf.bund.de
info@spd-neukoelln.de

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✉️ Schreiben des französischen Bildungsministeriums an alle Eltern :

Liebe Eltern mit schulpflichtigen Kindern

Möglicherweise neigen Sie dazu, einen minutengenauen Zeitplan für Ihre Kinder zu erstellen. Sie haben große Hoffnungen auf stundenlanges Lernen, einschließlich Online-Aktivitäten, wissenschaftlichen Experimenten und Buchberichten. Sie beschränken die Technologie, bis alles erledigt ist! Aber hier ist die Sache …

Unsere Kinder haben genauso viel Angst wie wir jetzt. Unsere Kinder können nicht nur alles hören, was um sie herum vor sich geht, sondern sie spüren auch unsere ständige Spannung und Angst. Sie haben so etwas noch nie erlebt. Obwohl die Idee, 4 Wochen lang nicht zur Schule zu gehen, großartig klingt, stellen sie sich wahrscheinlich eine lustige Zeit wie Sommerferien vor, nicht die Realität, zu Hause gefangen zu sein und ihre Freunde nicht zu sehen. 

In den nächsten Wochen werden die Verhaltensprobleme Ihrer Kinder zunehmen. Ob es Angst, Wut oder Protest ist, dass sie die Dinge nicht normal machen können – es wird passieren. Sie werden in den kommenden Wochen weitere Anfälle, Wutanfälle und oppositionelle Verhaltensweisen sehen. Dies ist normal und wird unter diesen Umständen erwartet.

Was Kinder jetzt brauchen, ist sich wohl und geliebt zu fühlen. Fühlen, dass alles gut wird. Und das könnte bedeuten, dass Sie Ihren Zeitplan auseinander reißen und Ihre Kinder ein bisschen mehr lieben müssen. Kekse backen und Bilder malen. Spielen Sie Brettspiele und schauen Sie sich Filme an. Machen Sie gemeinsam ein wissenschaftliches Experiment oder finden Sie virtuelle Ausflüge in den Zoo. Starten Sie ein Buch und lesen Sie gemeinsam als Familie. Kuscheln Sie sich unter warme Decken und tun Sie nichts.

Machen Sie sich keine Sorgen, dass sie in der Schule rückwärts gehen. Jedes Kind ist in diesem Boot und alles wird gut. Wenn wir wieder im Unterricht sind, werden wir alle den Kurs korrigieren und sie dort treffen, wo sie sind. Lehrer sind Fachexperten! Wähle keine Kämpfe mit deinen Kindern, weil sie nicht rechnen wollen. Schreien Sie Ihre Kinder nicht an, dem Programm nicht zu folgen. Setzen Sie keine 2 Stunden Lernzeit ein, wenn sie sich dagegen wehren.

Wenn ich Ihnen eines überlassen kann, dann ist es das Folgende: Am Ende wird die psychische Gesundheit unserer Kinder wichtiger sein als ihre akademischen Fähigkeiten. Und was sie in dieser Zeit fühlten, wird ihnen noch lange erhalten bleiben, nachdem die Erinnerung an das, was sie in diesen vier Wochen getan haben, längst verschwunden ist. Denken Sie jeden Tag daran.

Bleibt sicher.

(Gesehen bei Facebook)
Nachtrag: selbst wenn es nicht vom franz. Ministerium ist, wäre es dennoch zu schön….wenn sich die Regierungen in der Form äußern könnten. 
Vllt hätte jemand nen Quellen-Verweis!?


Veröffentlicht von

Katrin Paul

Baujahr 1969, Wildnisreisende, Pädagogin, Naturliebhaberin, Mutter und Ehefrau, Kitaleiterin, Qigonglehrerin, Projektmanagerin... immer daran interessiert, der Natur der Sache auf den Grund zu gehen und Weite in den Horizont zu bekommen. Meine Lieblingsthemen: Bewegte Meditation, Coaching zur Potentialentfaltung, Elterncoaching, Kita- und Schulfortbildungen zur Beziehungskompetenz und Umgang mit traumatisierten Kindern.