Konflikte im Team – Wann ist Zusammenarbeit nicht mehr sinnvoll?

In meiner Arbeit mit engagierten Kita- und Schulteams hat sich immer wieder herausgestellt, dass jenseits aller persönlichen Ab- und Zuneigungen es ein paar ganz grosse Stolpersteine gibt, die zu hohem Energieverlust, ständige Reibereien, ungelösten Konflikten und mangelnder Effizienz im Team führen.

Im pädagogischen Alltag hat die Erfahrung gezeigt, dass Pädagogen auf drei Ebenen Kompetenzen mitbringen müssen, damit ihnen ihr Beruf gelingt:

    1. fachliche Kompetenz (Wissen, Vermittlungswissen)
    2. eine bewusste pädagogische Haltung (will ich Erziehung oder Beziehung?, müssen Kinder zum Lernen gezwungen werden oder lernen sie intrinsisch?, brauchen Kinder Führung oder Selbstbestimmung?, braucht es Lob/Strafe oder Anerkennung? usw.)
    3. Beziehungskompetenz
      da Arbeit im Team und Lernen immer in zwischenmenschlichen Beziehungen stattfindet, entscheidet diese Kompetenz darüber, ob ich diese Beziehungen bewusst gestalten kann

Leider scheint es im Alltag oft so zu sein, dass eine rein fachliche Kompetenz der PädagogInnen ausreichend scheint. Nur dies ist Einstellungsvoraussetzung seitens des Schulamtes. Bis vor kurzem schien die pädagogische Haltung Privatsache zu sein und die Beziehungskompetenz ein Talent, dass einem zufällig gegeben wurde oder nicht.

Diese Einschätzung ändert sich langsam. Und ich kann allen pädagogischen Einrichtungen nur empfehlen, bei Einstellungsgesprächen auf alle drei Ebenen der Fachlichkeit gleichermaßen zu achten.

Es gibt Teams, in denen pragmatisch nebeneinanderher gearbeitet wird, aber eine echte Teamarbeit, in der Menschen cokreativ Neues entstehen lassen können und sich selbst in Wachstumsprozesse begeben – das ist nur möglich, wenn im Team die Menschen auf allen drei Ebenen der Fachlichkeit zusammenpassen.

Cokreativität & Selbstorganisation braucht ein Passung im Team auf allen 3 Ebenen der Fachlichkeit.

Damit müssen wir anerkennen, dass es bei jedem Einzelnen bestimmter persönlicher Voraussetzungen bedarf, damit aus einem Gegeneinander ein Miteinander im Team und mit den Kindern wird.

Niemand ist perfekt und auch ErzieherInnen und LehrerInnen sind nur Menschen, dennoch braucht es im pädagogischen Alltag berufliche Kompetenzen, die unabdingbar sind. Genau wie Arzt über medizinisches Wissen verfügen MUSS und dies nicht eine Frage des persönlichen Geschmacks sein darf.

Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht

Gilt diese Weisheit auch für moderne Teams? Dürfen Teams sich abgrenzen, klar sein und sagen: „Du bist ein wunderbarer Mensch, vielleicht sogar fachlich sehr kompetent, aber zur Zeit hast Du diese und diese Beziehungs-Kompetenz nicht und deshalb können und wollen wir nicht mir Dir zusammenarbeiten.“? Meine Standpunkt dazu ist JA. Dies braucht eine Einrichtung um klar zu sein und sinnorientiert zusammenarbeiten zu können.

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Unter der pädagogischer Haltung (Beziehung statt Erziehung) verstehe ich:

  • Die für die Organisation gültigen Werte. Nach meiner Empfehlung wären es  die vier Werte nach Jesper Juul: Integrität, Selbstverantwortung, Authentizität und Gleichwürdigkeit, diese Werte müssen wichtiger im Alltagshandeln sein als gutes Benehmen, Harmonie, Nettigkeit,  Ansehen, Strategie u.v.m.
  • Der Glaube, dass es persönliche Grenzen gibt und diese sinnvoll sind
  • Die Einstellung, das Kinder Führung auf Augenhöhe von Erwachsenen mit persönlichen Grenzen brauchen statt grenzenloser Freiheit
  • Die Einstellung, das ich als Erzieher/Lehrer auch nur Lernender bin, besonders in Bezug auf Selbstverantwortung und den Umgang mit meinen persönlichen Grenzen

 

Unter fachpersönlichen Beziehungskompetenzen verstehe ich:

  • Umgang mit Überforderung
    die Fähigkeit zu erkennen, wann ich überfordert bin = existenziell ängstlich/hilflos werde und innerlich aussteige und die Fähigkeit dazu wenigstens eine Meldung im Team zu machen/Rückmeldung von anderen dazu anzunehmen (denn Angst ist kein guter Handlungsgrund in einer Vertrauenskultur, aber das Reden über meine Angst kann ein
    wunderbarer Motor für Begegnung, Prozesse und Veränderungen sein)
  • Umgang mit Konflikten
    • Die Einstellung, das Konflikte zwar Angst machen, aber das ich meinen Mut zusammennehmen kann und aktiv in Konfliktlöseprozesse gehen kann. Dazu braucht es
      • die Fähigkeit jedes einzelnen, Verhalten und Person innerlich zu trennen und sein Verhalten verhandelbar zu machen.
      • den Mut, persönlich und konkret meine Perspektive zu schildern, Aussagen über mich zu machen und auch noch neugierig zu sein auf die Perspektive des Anderen (nicht entrüstet und empört, wie der andere so sein kann).
    • Es braucht unbedingte Ergebnisoffenheit für einen Dialog, keine Vorwegnahme der Lösung/Entscheidung.
      Bewertung und Interpretation von meiner Wahrnehmung zu trennen und zu mir zunehmen
      • den Mut, sich vom Richtig/Falsch-Denken und Moral zu lösen und nach innerer Stimmigkeit (Authentizität) zu suchen und diese auszudrücken – was immer für ein Gefühl/Gedanke da ist, ist subjektiv richtig und darf ausgesprochen werden! Dies bringt emotionale Wahrheit und Transparenz in Gruppen, es darf auch das Unmögliche (über mich selbst! – in persönlicher Sprache ) gesagt werden.
      Abschied vom Nett-Sein, sondern Liebe zu den vier Werten Jepser Juuls (Integrität, Selbstverantwortung, Authentizität und Gleichwürdigkeit)
      und die Erfahrung, dass diese Werte die Basis eines tiefen Miteinanders sind und Menschen zueinander, nicht auseinander bringen
      • den Mut, dass ich nicht von allen gemocht werden werden muss
      • den Mut, Fehler zu machen und dazu hinterher zu stehen
      • den Mut, sich nicht zu verbiegen, auch wenn man die/der Einzige ist, der…
      Präsenz in der Gruppe zeigen
      Den Mut, unbedingt präsent zu sein, Resonanz/Anerkennung zu geben und den Raum zu halten, was auch immer in der Gruppe passiert (jeder, der sich innerlich verabschiedet geht aus seiner persönlichen Verantwortung und wird Mit-Täter durch Nichts-Tun) – wenn dies nicht möglich ist, dann hat jeder einzelne die persönliche Verantwortung zu melden, dass er überfordert ist und Hilfe braucht
      Erfahrung mit Vertrauenskultur
      Vertrauenskultur braucht ein Mindestmaß an positiven Grunderfahrungen in andere Menschen / in persönliche Prozesse und Gruppenprozesse. Wer das nicht mitbringt, ist im Opfer/Tätermodus gefangen. Dann braucht es das Wissen/die Empathie der Anderen, dass zu grosse existenzielle Angst vor Ablehnung/Vernichtung in Beziehungen einen echten Kontakt, Begegnung und Dialog verhindert. Für diese Menschen muss zuerst emotionale Sicherheit hergestellt werden bevor eine Zusammenarbeit mit Dialog und offenen Konflikten überhaupt möglich ist.

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Es gibt Menschen, die diese Punkte nicht unterschreiben würden oder zwar unterschreiben, aber durch ihre tatsächlichen Handlungen alltäglich konterkarieren. Wir brauchen alle diese Fähigkeiten nicht perfekt zu können – aber wir brauchen die Einstellung, dass ich genau das lernen will – nicht theoretisch, sondern genau beim nächsten Konflikt. Ohne diesen Wunsch, mich dahin zu entwickeln hat Zusammenarbeit in einem Team keinen echten Sinn.

Ich kenne viele Menschen, die aus nachvollziehbaren Gründen zur Zeit nicht in der Lage sind, Konflikte aktiv anzugehen oder wahrzunehmen, wann ihr Nervensystem in den Panikmodus kommt. Oder das Menschenbild der handelnden Personen weicht zu weit voneinander ab und dieser tieferliegende Konflikt wird nicht transparent geklärt. Damit sind jenseits von Sympathie, Antipathie und persönlichem Stil berufliche Probleme in der Teamarbeit und in der Arbeit mit Menschen vorprogrammiert.

Wenn es uns nicht gelingt, diese Menschen einzuladen, sich auf den Weg zu machen diese Kompetenzen & Werte erwerben zu wollen (und das reicht schon), dann ist es fair und besser für alle Beteiligten nach dem Versuch darüber ausreichend in Dialog zu gehen, zu sagen: Eine Zusammenarbeit ist unter den gegebenen Bedingungen nicht sinnvoll und wir trennen uns im Guten.

 

Die hilflosen Fachkräfte – Auszeit als Strafe in Kitas noch sehr gängig!

Heute war ich mit meiner Kollegin Corinna Simpson in einer ErzieherInnenfachschule und wir haben einen Thementag „Herausfordernde Kinder“ durchgeführt. Wir waren beeindruckt von der Vielfältigkeit und den Lebenserfahrungen der Quereinsteiger in diesem Beruf – und schockiert, was die angehenden ErzieherInnen aus Praktika für Erfahrungen mitbrachten. Die Strafe „Auszeit“, die von Pampers empfohlen auf Facebook ein Entrüstungssturm auslöste (#pampersauszeit) – gehört in sehr vielen Kitas in Berlin zum normalen Alltag! Es scheint die einzige Lösung, wenn Kinder sich nicht anpassen und funktionieren. Und PraktikantInnen sind dann zwar irritiert, aber trauen sich nicht, den gestanden ErzieherInnen zu sagen, daß wir heute wissen, daß Bestrafung von Kindern weder zum Ziel führt noch mit unseren Werten von Gleichwürdigkeit und Gewaltlosigkeit vereinbar ist. Es gibt viel bessere Alternativen, die zu einem tragfähigem Frieden für Groß und Klein führen – aber dafür ist es notwendig, die Kinderperspektive verstehen zu wollen und davon auszugehen, dass Kinder niemanden mit ihrem Verhalten ärgern oder nerven wollen. Wenn wir beobachten und zuhören, Ihnen bessere Alternativen für Ihre tieferen Bedürfnisse anbieten – nehmen sie diese gerne an.

Die Herausforderung für die Erwachsenen scheint dabei zu sein, dass bisher das Funktionieren wichtiger war als die Befindlichkeit jedes einzelnen. Wir dürfen lockerer sein, Regeln sind ein Richtlinie, kein Durchsetzungsmuss für Fachkräfte. Viel würde sich entspannen, wenn Fachkräfte persönliche Verantwortung übernehmen und statt mit Macht abstrakte Regeln durchzusetzen. Das bedeutet dem einzelnen Kind zu sagen: „Ich will nicht, dass Du andere verletzt. Worüber hast Du Dich so geärgert? Wie kann ich Dir helfen? Habe ich etwas nicht mitbekommen?“ (statt „Du weißt doch ganz genau, dass wir hier nicht schlagen, das ist unsere Regel und die Regeln müssen alle einhalten! Warum verstehst Du das denn einfach nicht?“)

Und statt sich Hilfe als Fachkraft zu suchen („Warum komme ich hier an meine Grenzen? Mir fällt nichts mehr ein, wo ist meine Kreativität?) gibt es dann noch den absurden Weg, daß die Eltern mehr auf ihre Kinder einwirken sollten, damit die ErzieherInnen nicht mehr so viele Probleme mit diesen Kindern haben. Das ist Abgabe von Verantwortung. Eltern können nicht die Hilflosigkeit von ErzieherInnen lösen. Meistens sind ja auch die Eltern von diesen Kindern hilflos und bräuchten dringend Unterstützung statt Druck. Diese Form von Elternarbeit hat nichts mit einer gleichwürdigen, tragfähigen Zusammenarbeit zwischen ErzieherInnen und Fachkräften zu tun!

Hilfreich wäre es, Fachkräfte zu ermächtigen, Ihre ganze Person und Authentizität einzubringen. „Wie kann ich Kinder stoppen ohne selbst verletzend zu werden?“  und  „Darf ich laut werden?“ waren Fragen, die aufkamen – denn laut sein wird so schnell mit Gewalt assoziiert. Aber Lautwerden, wenn ich leise nicht gehört werde, hat nichts mit gewalttätig sein zu tun. Gewalt entsteht, wenn es mir nicht möglich ist, die Verantwortung für meine Gefühle zu übernehmen und ich impulsiv schreie, dabei bin ich in mir selbst abgeschnitten von einem Teil meiner Persönlichkeit. Gewalt entsteht, wenn die Wut Oberhand gewinnt und eigenmächtig handelt.

Es ist möglich, laut zu werden und dabei verantwortlich zu sein, die Wut zu spüren, aber auch mich selbst dabei aushalten und akzeptieren zu können. Das haben viele Menschen vielleicht noch nie in ihrem Leben erleben dürfen – wir finden dazu kaum Vorbilder, aber wir können es lernen und trainieren.

Die Auszeit-Strafe ist ein Symptom der Hilflosigkeit von Eltern und Fachkräften. Es ist ein Anzeichen von Zerrissenheit zwischen den Werten im Kopf und der Angst im Bauch, denn die meisten würden darauf nicht bestehen, wenn sie nur wüssten, was sie stattdessen tun könnten. Wie sich Gewalt von starkem authentisch-persönlichem Verhalten unterscheidet, dass ist ein Feld, das Fachkräfte dringend mehr für sich erforschen müssten.

Wer sich mit mehr mit der Basiskompetenz Authentizität auseinandersetzen will, für den könnte unser Seminar „authentiv play“ oder Führungstraining für Fachkräfte genau das Richtige sein – denn um neue Handlungsspielräume zu erforschen, müssen wir üben können und ausprobieren dürfen…

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Für eine neue Beziehungskultur in Kita & Schule

Für eine neue Beziehungskultur in Kita & Schule: Heute ist Preisverleihung in Zürich! Der Text spricht mir aus dem Herzen und ist wirklich eine knackige Zusammenfassung des neuen Paradigmas in der Erziehung:

„Wir von der Gofen Stiftung sind überzeugt, dass der Paradigmenwechsel in der Erziehung eine sehr wichtige Rolle spielt und haben uns aus diesem Grund entschlossen, mit der Verleihung eines Preises zur Bekanntmachung, Verbreitung und
Weiterentwicklung des neuen Paradigmas beizutragen…

Seit einigen Jahrzehnten findet im Bereich der Erziehung ein Paradigmenwechsel statt. Autoren wie Thomas Gordon, Jesper Juul, Remo Largo und Gerald Hüther haben neue
Arten des Umgangs mit Kindern beschrieben und international viel Anklang gefunden..

Das neue Paradigma
Das neue Paradigma ist vielschichtig und nicht immer leicht zugänglich. Die meisten von uns haben eine Erziehung erfahren, die auf anderen, z.T. entgegengesetzten Werten beruht und da wir durch unsere frühen Erfahrungen geprägt sind, erscheint unseine andere Art der Erziehung zuerst einmal fremd.

Die wichtigsten Punkte des neuen Paradigmas sind:

a. Das Kind ist kompetent
Früher war man der Überzeugung, dass das Kleinkind unfertig und unsozial ist und erst durch die Belehrung der Erwachsenen zu einem richtigen Menschen wird. Heute weiss man, dass Kinder von Geburt an Menschen sind, denen nur die Erfahrung fehlt. Sie
sollten deshalb weniger belehrt, als viel mehr ernst genommen werden.

b. Vom Gehorsam zur Verantwortung
Das Ziel des neuen Paradigmas ist, Kindern zu ermöglichen, nicht bedingungslos das
zu tun, was Erwachsene von ihnen verlangen, sondern selber, unter Begleitung von
Erwachsenen, zu lernen, selbständig zu denken und zu handeln, selber Verantwortung zu übernehmen, und selber Entscheidungen zu treffen. Was früher Subjekt – Objekt Beziehungen waren, sind heute Subjekt – Subjekt Beziehungen geworden.

c. Gleichwürdigkeit und Respekt
Die Beziehung zwischen Erwachsenem und Kind verändert sich grundlegend. Der Erwachsene ist nicht mehr a priori überlegen und weiss alles besser, er zwingt dem Kind nicht mehr seine Ansichten auf, sondern anerkennt die Art des Kindes, und
respektiert es als eigenständiges Individuum.

d. Von Erziehung zu Beziehung
Im neuen Paradigma fragt man sich nicht mehr, wie man das Kind am effektivsten erzieht, sondern wie man eine ehrliche Beziehung zu ihm aufbaut.

e. Von formeller Autorität zu persönlicher Autorität
Beim neuen Paradigma hat der Erwachsene nicht einfach nur wegen seines Alters und seiner Erfahrung Autorität, er muss sich die Autorität durch seine Persönlichkeit und eine kompetente Art der Führung „verdienen“.

Den Preis bekommt Jean-Paul Munsch für sein Schulmodell für öffentliche Schulen, die diese Werte umsetzen! Herzlichen Glückwunsch und dass viele Kitas & Schulen diesen Weg gehen mögen! Mittwoch, 28. September findet um 20.00h im Weissen Wind in Zürich die Preisverleihung statt.

Wie das Schulmodell genau aussieht? Hier zum vorherigen Blogartikel zu diesem Thema
Zu Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte rund um das neue Paradigma siehe auch alle Veranstaltungen von „beziehungskompetent in Kita & Schule“ auf dem Mirabellenhof.

 

Keine Hebammen – ein familienpolitisches Desaster

Die Entwicklung, dass Geburt eine Zumutung ist und immer mehr Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, erhöht die Gefahr drastisch, dass eine eigentlich normale Geburtserfahrung zur traumatischen Krankenhaus-Erfahrung für Mutter und Kind werden!

Ich könnte mich über diesen gesellschaftlich bedingten automatischen Zuwachs an therapiebedürftigen Eltern und Kindern ja freuen, sichert es mir persönlich vielleicht eine ausgelastete Beratungstätigkeit – aber es wäre mir doch lieber, Eltern würden von Hebammen professionell betreut! Und Geburt würde als ein natürlicher Prozess des Lebens erfahren werden und Krankenhäuser sind dafür da, wozu sie wirklich gut sind: für den medizinischen Notfall! Geburt ist kein medizinischer Notfall und Ärzte sind denkbar schlecht ausgebildet, natürliche Geburten zu begleiten!

Das Verschwinden der Hebammen wird in Zukunft als eine familienpolitisches Desaster gehandelt werden, ersparen wir uns diese Erfahrung!

Die Geburt als Zumutung

Von Eva Schindele

Der Kaiserschnitt war bis vor 20 Jahren ausschließlich Notfällen vorbehalten. Heute wird eines von drei Kindern operativ geholt, mehr als die Hälfte ohne zwingende medizinische Indikation, aber zum Preis gesundheitlicher Risiken für Mutter und Kind. http://www.wdr5.de/sendungen/tiefenblick/am-anfang-des_lebens-vier-100.html

Lesenswert auch Unterwerfung – zur Situation der Hebammen von Herbert Renz-Polster

Kreativität braucht etwas Verrückt-Sein

Ich kenne so viele Menschen im sozialen Bereich, die ihre ungewöhnlichen Ideen und einmaligen Begabungen in engstirnigen Organisationen nicht ausleben dürfen. Alle rufen nach mehr Geld, aber was für ein Reichtum ein Mitarbeiter bedeutet, der sein Potential entfalten kann, wird gar nicht gesehen.

Mehr „Verrückte“ im System und für die Fortbildung und Supervision, damit ihre Utopien bodenständig und umsetzbar werden, das fällt mir zu diesem Bild ein.

Die Seele geht in den meisten Organisationen verloren

Ich erinnere mich an eine Erzieherin, der in einem Workshop zu Beziehungskompetenz langsam klar wurde, wie gewalttätig das Verhalten ihrer Vorgesetzten war. In gewisser Weise gewöhnen wir uns an sprachliche Herabsetzungen oder respektlose Behandlungen, weil sie in einigen Einrichtungen zu alltäglich und zu „normal“ werden.

Zum Thema „alltägliche Gewalt in normalen Kitas und Schulen durch Sprache und scheinbar harmloses Verhalten“ hat mich diese Passage aus dem Buch von Laloux besonders berührt:

 

„Park Palmer, Pädagoge, Autor und Aktivist hat sein ganzes Leben erforscht, was nötig ist, damit wir in einer Gemeinschaft die Ganzheit suchen und finden können.

Welcher Raum eröffnet die beste Möglichkeit, um die Wahrheit unserer Seele zu hören und ihr zu folgen? … Meine Antwort schöpft aus einer einzigen Metapher, die für mich die Essenz der Seele reflektiert und gleichzeitig ihr Geheimnis würdigt: die Seele ist wie ein wildes Tier.

So wie ein wildes Tier ist die Seele stark, widerstandsfähig, klug, neugierig und unabhängig: Sie weiß, wie sie in einer schwierigen Umgebung überleben kann. Viele von uns lernen diese Eigenschaft in den dunkelsten Stunden unseres Lebens kennen, wenn die Fähigkeiten , auf die wir uns normalerweise verlassen, nicht mehr ausreichen – der Intellekt ist nutzlos, die Emotionen abgestorben, der Wille ohnmächtig und das Ego zerstört. Manchmal spüren wir tief im Dickicht unseres inneren Lebens die Anwesenheit von etwas, das weiß, wie es weiterleben kann, und uns hilft, weiterzugehen. Dieses Etwas, so meine ich, ist die starke und beharrliche Seele.

Aber trotz dieser Stärke ist die Seele auch scheu. Wie ein wildes Tier sucht sie Sicherheit im dichten Unterholz, besonders wenn andere Menschen in der Nähe sind. Wenn wir ein wildes Tier sehen wollen, dann wissen wir, dass wir auf keinen Fall durch den Wald rennen nach ihm rufen sollten. Aber wenn wir leise in den Wald laufen und uns geduldig unter einen Baum setzen, im Einklang mit der Erde atmen und uns mit der Umgebung verbinden, wird das wilde Tier, das wir suchen, vielleicht erscheinen. …

Leider bedeutet Gemeinschaft in unserer Kultur oft eine Gruppe von Menschen, die zusammen durch den Wald rennen und die Seele verscheuchen. … Unter diesen Umständen erscheinen der Intellekt, die Emotionen, der Wille und das Ego, aber nicht die Seele; wir verscheuchen all das worin die Seele lebt: respektvolle Beziehungen, Wohlwollen und Hoffnung.

In Organisationen gleicht unser Zusammensein oft auch dem „Rennen durch den Wald“. Um die Seele zu verscheuchen, genügt schon ein sarkastischer Kommentar, ein Rollen mit den Augen während einer Besprechung. Wenn wir unser ganzes Selbst einladen wollen, sich zu zeigen, einschließlich der scheuen inneren Stimme der Seele, dann müssen wir am Arbeitsplatz sichere und fürsorgliche Räume schaffen. Wir müssen lernen, achtsam wahrzunehmen, wie unsere Worte und unser Handeln subtil dazu beitragen können, in einer Gemeinschaft von Kollegen die Sicherheit und das Vertrauen zu schwächen.“

 

Frederic Laloux, Reinventing Organizations, Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit, Verlag Franz Vahlen München, 2015, S. 148

Katrin Paul – beziehungskompetent in Kita & Schule

Wenn Schüler auf der Nase herumtanzen…

Früher hieß es, man müsse als Lehrer hart durchgreifen, damit Schüler einem „nicht auf der Nase rumtanzen“. Man dürfe (besonders am Anfang) nicht zu weich sein, da sonst Autoritätsverlust drohe. Heute verliere ich als Lehrer an Autorität bzw. an Glaubwürdigkeit, wenn ich mich hinter meiner Lehrerrolle verstecke und Gehorsam einfordere. Machtkämpfe und Grenzüberschreitungen sind in der klassischen Lehrer-Schüler-Beziehung die Folge. Lehrer müssen ihren Führungsstil heute neu und unabhängig vom Verhalten anderer bestimmen. Zu führen bedeutet für mich, auch in herausfordernden Phasen denjenigen Werten Geltung zu verleihen, die ich in ruhigen Zeiten in mein inneres Koordinatensystem eintrug. Der Lehrer von heute ist aufgefordert, sich als Person zu zeigen und Verantwortung für sich und die Qualität des Miteinanders zu übernehmen.

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN auf Facebook

 

Besser kann ich es auch nicht sagen! Aber zufügen, dass es in Werneuchen, nördlich von Berlin, nun die Möglichkeit gibt ein Intensivcoaching für PädagogInnen mitzumachen. Haupttrainer sind Pferde, die sehr klar unser Verhalten spiegeln und mit denen wir wunderbar unsere Führungskompetenz erweitern können. Begleitet von mir und Nancy Franke wird es dann auch gleich einen Transfer in die pädagogische Praxis anhand eigener Fallbeispiele geben. Mehr Infos unter Workshops mit Pferden oder unter

www.horse-personal-coaching.de/…/t…/respektvoll-fuehren.html